„Zum Stift gehören“
Das Augustiner Chorherren Stift gehört zu den großen, alten Klöstern im Land. Es war zu Bruckners Zeit ein geistiges und intellektuelles Zentrum. In Propst Michael Arneth hatte Anton einen väterlichen Förderer. St. Florian hat ein großes Netz an Pfarren. Die zugehörigen Pfarrkirchen erkennt man von weitem am Tatzenkreuz, dem auffallenden Wappen des Stiftes.
„Ans Ende des Vertrauten kommen“
1848 endete das System der Grundherrschaften nach einer bürgerlichen Revolution. In dieser Phase war Bruckner sehr verunsichert. Er komponierte viel, erfuhr aber trotzdem nur die eines Dienstboten. Die beruflichen Perspektiven, die das Stift ihm bieten konnte, verringerten sich. Bloß auf die Gastfreundschaft konnte Anton auch noch als Wiener Musiker zählen.
„Ein gern gesehener Gast sein“
Anton hatte sehr viel Energie. Er bildete sich weiter, lernte für Prüfungen und machte auf vielerlei Art Musik. Zudem war er ein gern gesehener Gast auf Schloss Tillysburg. Er gab den beiden jungen Grafen O’Hegerty Privatunterricht. Außerdem hat er bei Tanz- und Abendunterhaltungen für die Musik gesorgt.
„Als Lehrer unterrichten"
Ende September 1845 begann Anton als Schulgehilfe in der Marktschule direkt unter dem Stift. Er kannte das Haus noch sehr gut aus seiner Sängerknabenzeit. Anton lebte mit der Lehrerfamilie Bogner. Er war 21 Jahre alt, als er ankam, und verließ St. Florian mit 31.
„Organist werden“
Als Junglehrer erhielt Anton Unterricht beim Stiftsorganisten Anton Kattinger. Er sollte sein Nachfolger werden. Erstmals verdiente er einen Teil seines regelmäßigen Einkommens als Musiker. Der Hofschreiber Franz Sailer war ein weiterer Förderer. Nach seinem frühen Tod 1848 überließ er Anton seinen Bösendorfer-Flügel.
„Sein Finale komponieren“
Bruckner starb in Wien. Der körperliche Verfall war nicht aufzuhalten. Der Trauerzug führte zur Karlskirche und von dort zum Westbahnhof. Tausende Menschen begleiteten diese letzte Fahrt. In St. Florian steht der Sarkophag in der Gruft frei, direkt unter der großen Orgel. In der Kirche zeigt eine Grabplatte die Stelle an.
„Sängerknabe sein“
Unmittelbar nach dem Tod des Vaters kümmerte sich seine Mutter um Antons Aufnahme als Sängerknabe im Stift St. Florian. Es gab damals drei Buben als Sänger, allesamt Lehrersöhne. Anton erhielt dadurch eine geförderte musikalische Ausbildung und war vor allem versorgt.
„Sich entspannt inspirieren“
Bei seinen Urlaubsaufenthalten in St. Florian pflegte Bruckner an Vormittagen gerne einen Spaziergang nach Hohenbrunn zu machen. Der Stiftsorganist begleitete ihn gerne. Einmal sagte Anton zu ihm: „Hören Sie wie diese Meise zizipe ruft? Dieses Motiv werde ich in meiner Vierten Symphonie verwenden!“
„Als Familie im Grab vereint“
Seine ledigen Geschwister liegen auch in St. Florian begraben. Sein Bruder Ignaz, der ihn überlebte, hatte sich darum gekümmert. Er selbst verewigte sich mit der Bezeichnung „Kalkant“. So bezeichnete man die Balgtreter, ohne die einst eine Orgel unmöglich zu spielen war.